Bella Germania – Der Film

Bella Germania – Der Film

Der Dreiteiler auf ZDF erzählt eine deutsch-italienische Familiengeschichte. Incontro mit Luciana Caglioti.

„Bella Germania“ erzählt eine deutsch-italienische Familiengeschichte über mehrere Generationen – vom deutschen Wirtschaftswunder bis in die Gegenwart. Das Leben der jungen Modedesignerin Julia erfährt eine jähe Wende, als plötzlich ein älterer Herr vor ihr steht und sich als ihr leiblicher Großvater vorstellt. Er hofft durch Julia auf Kontakt zu seinem Sohn Vincenzo, Julias Vater, den sie selbst schon lange für tot hält. Julia macht sich auf die Suche nach ihren Wurzeln und taucht dabei tief ein in eine Geschichte, die sie in die Zwänge der Nachkriegszeit Italiens führt – und auf die Spuren einer mutigen, sanften Rebellin: ihrer Großmutter Giulietta.
Wir haben mal ein bisschen hinter die Kulissen des Dreiteilers geschaut und haben Rosaria (Luciana Caglioti) getroffen. Rosaria ist die Schwägerin von Giulietta und die Ehefrau von Giovanni.

ILI-Magazine: Ciao Luciana. Wir kennen dich als renommierte Moderatorin bei WDR Cosmo. Seit vielen Jahren bereichert deine Stimme zahlreiche Cosmo Zuhörer und jetzt zeigst du uns dein Schauspieltalent in der Rolle von Rosaria in dem Dreiteiler „Bella Germania“, welcher ab März im ZDF ausgestrahlt wird. Wie hat alles angefangen?

Luciana: Irgendwann hat mich jemand von den Bavaria Studios angerufen und mich zum Casting für den ZDF-Dreiteiler „Bella Germania“ eingeladen. Ich bin zwar Journalistin und Moderatorin, aber auch Kabarettistin und Schauspielerin. Ich wurde für die Rolle der Concetta, der Mutter von Giulietta, eine der Protagonistinnen, gecastet. Es war ein spannendes Casting. Ich war zum ersten Mal in den Bavaria Studios. Dort habe ich den Regisseur Gregor Schnitzler kennengelernt und Silvia Busuioc, die die Rolle der Giulietta spielt. Ich fand beide sehr sympathisch. Es war eine Herausforderung, eine alte strenge Sizilianerin zu spielen. Doch ein paar Monate später kam die Antwort der Bavaria Studios und mir wurde eine andere Rolle angeboten, und zwar die der Rosaria, Schwägerin von Giulietta, Ehefrau von Giuliettas Zwillingsbruder Giovanni. Ich habe mich auf diese Rolle wahnsinnig gefreut, denn Rosaria ist eine tatkräftige, liebevolle Frau und es hat viel Spaß gemacht, sie zu spielen. Ich stand auf dem Set bei den Bavaria Studios im Sommer. Das Wetter war sehr heiß und zusammen mit meinen Spielpartnern, Natalia Belitski in der Rolle der Julia und Alessandro Bressanello, der meinen Mann, Giovanni spielte, hatte ich ein bisschen das Gefühl, auch im Urlaub zu sein.

ILI-Magazine: Eine Moderatorin und eine Schauspielerin mit einer so positiven Ausstrahlung. Was ist dein Geheimnis?

Luciana: Die Liebe zu meiner Arbeit. Ich glaube, wenn man mit Leidenschaft und Engagement an die Sache rangeht, dann springt der Funke über.

ILI-Magazine: Wie war es, mit Daniel Speck, Autor des Buches und des Spielfilms, zu arbeiten?

Luciana: Ich habe Daniel Speck als Journalistin bei einer Lesung seines Romans „Bella Germania“ in Düsseldorf kennengelernt und ihn für den WDR interviewt. Das Drehbuch wurde von ihm geschrieben und später aber auch von anderen Drehbuchautoren mitgestaltet. Am Set war er nicht. In dieser Hinsicht hat er mit der Verfilmung nur indirekt zu tun gehabt.

ILI-Magazine: Was hat er dir verraten? Warum ausgerechnet eine italienische Familiengeschichte?

Luciana: Ich fragte ihn, inwiefern „Bella Germania“ ein Familienroman sei. Er erzählte mir, dass Bella Germania ein Roman über die Begegnung von Familien aus verschiedenen Kulturen ist. Wir verfolgen eine Sizilianerin, Giulietta, die sich in den 50er Jahren in einen Deutschen, Vincent (im Film Alexander) verliebt. Sie haben eine unterschiedliche Vorstellung vom Leben. Giuliettas Konzept ist stark von der Familie bestimmt. Für sie sind ihre Rolle und ihre Pflicht, ihrem Sohn, ihrem Mann und vor allem ihren Eltern gegenüber sehr wichtig. Sie ist nach hinten orientiert, Richtung Familie, die sie trägt und stützt. Vincent dagegen orientiert sich nach vorne.

Er hat im Krieg seine Familie verloren. Er sagt: „Ich kann nur nach vorne schauen, ich muss etwas machen aus mir, ich habe keine Verpflichtungen“. Das hat ein wenig zu tun mit dem Unterschied zwischen dem deutschen und dem sizilianischen Familienbild. Die Familie spielt auf Sizilien und im ganzen Mittelmeerraum eine viel größere Rolle, für die soziale Absicherung, als Identifikationspunkt. Je nördlicher wir kommen, desto mehr steht das Individuum im Vordergrund. Also: Was will ich aus meinem Leben machen? Und nicht: Wer bin ich in meiner Familie, welche Rolle spiele ich da?

Und das hat Konsequenzen. Deshalb ist Giulietta im Roman ständig hin und her gerissen zwischen ihrer Leidenschaft Mode zu machen und ihrer Familie, der sie verpflichtet ist. Sie ist zerrissen. Das ist eine tragische Geschichte. Vincent hat große Erfolge im beruflichen Leben, erlebt aber im Privaten große Enttäuschungen. Er gründet erstmal keine Familie. Auch Julia, die andere Protagonistin des Romans, die Enkelin der beiden, die der Leser in der Gegenwart erlebt, ist als Modedesignerin erfolgreich, aber das hat einen Preis. Sie lebt ihre Leidenschaft, aber sie arbeitet 60 Stunden in der Woche. Sie gehört einer Generation an, die sich verwirklicht, aber einen Preis im Privaten zahlt. Sie hat mit 36 Jahren keine Familie.

Daniel Speck findet, italienische Familien strahlen eine große Wärme und Geborgenheit aus. Specks Familienmitglieder kommen aus verschiedenen Ländern. Er ist groß geworden in einer Familie, bei der verschiedene Nationen an einem Tisch saßen. Das habe ihn geprägt und sein Interesse geweckt, Geschichten zu erzählen, die mit der Begegnung verschiedener Kulturen zu tun haben.

Ein Großvater Daniel Specks kam, wie Vincent im Roman, aus Oberschlesien. Specks Vater ist Tunesier und kam in den 60ern nach München. Viele Verwandte von Daniel Speck sind griechischer Herkunft. So konnte er schon als Jugendlicher ein bisschen spüren, wie es Menschen geht, die nicht an dem Ort leben, wo sie geboren wurden.

Daniel Speck: „Bella Germania ist eine Familiengeschichte in drei Generationen. Sie beginnt in den 50er Jahren und reicht bis heute. Ich erzähle darin von einer Familie zwischen Italien und Deutschland. Das Thema darin ist eigentlich Heimat und Zugehörigkeit und wie eine Generation weiter trägt, was die andere Generation noch nicht gelöst hat“.

Daniel Speck hat in Italien studiert, in Rom, und kennt Italien sehr gut. Er sagt: „Viele Geschichten aus deutscher Sicht über Italien sind von Klischees geprägt. Ich wollte etwas anderes zeigen. Zum Beispiel eine Geschichte erzählen, die noch niemand kannte. Die Geschichte der Firma BMW, die irgendwann in den 50er Jahren vor der Pleite stand, und dann von einem kleinen italienischen Wagen gerettet wurde: die Isetta. Und sie wurde von genialen italienischen Ingenieuren gebaut. Dieser Anfang widerspricht schon den Klischees. Ich habe versucht eine Geschichte zu erzählen, in der sich die Italiener wiederfinden können und die authentisch ist“.

ILI-Magazine: Du spielst im Film die Rolle von Rosaria. Wer ist eigentlich Rosaria?

Luciana: Rosaria ist die Ehefrau von Giovanni, Giuliettas Bruder. Sie ist in Salina geboren und dort aufgewachsen. Sie liebt ihre Heimat sehr und ist fest entschlossen, Giovanni nicht hinterher zu kommen, als der sich entscheidet, nach München in Deutschland zu ziehen. Doch mit den Jahren ändert sie ihre Meinung. Sie ist eine traditionelle, dabei sehr aufgeschlossene Frau, die Wärme und gute Laune ausstrahlt.

ILI-Magazine: Entspricht der Film „Bella Germania“ der Realität einer Italienerin in Deutschland?

Luciana: Ich denke, dass „Bella Germania“ eine Geschichte ist, mit der sich jeder, der irgendwann von seiner Heimat weggegangen ist, identifizieren kann. Und auch für die anderen ist der Film spannend. Denn er erzählt nicht nur eine, sondern viele Geschichten: die einer sizilianischen Familie aus Salina, die zuerst nach Mailand, später nach München zieht. Die Geschichte eines erfolgreichen italienischen Autos in Deutschland, der Isetta. Die Geschichte einer Generation: Von der Nachkriegszeit über die 60er und 70er Jahre und ihrer gewaltbereiten Jugend, die die Welt verändern wollte, bis heute. Und es ist auch die Geschichte einer großen Liebe zwischen einer Italienerin und einem Deutschen.

ILI-Magazine: Was sind deine neuen Projekte?

Luciana: Als Journalistin arbeite ich weiter hauptsächlich für den WDR. Ich moderiere Radio Colonia bei COSMO. Im November hatte ich in Köln Premiere mit meinem zweiten kabarettistischen Solostück „Der Multi Kulti Komplex“, das ich demnächst auch andernorts spielen werde. Als Schauspielerin bin ich im Tatort Münster zu sehen, als Chefin einer Eisdiele. Und in der ZDF-Produktion „Die Jagd“, ein Film von Urs Egger über die Mafiamorde in Duisburg 2007, spiele ich eine Journalistin der RAI.

ILI-Magazine: Grazie ancora e a presto allora?

Luciana: Certo, con molto piacere. Grazie a te.

Photo: Henrik Pfeifer, Luciana Caglioti